Donnerstag, 31. Dezember 2015

Barrieren der Liebe


In einem früheren Blog postulierte ich, dass man sich in einen übergeordneten Raum, gewissermassen in eine höhere Dimension begeben muss, um die Formen der Liebe zu erkennen. In dieser Denkweise verwendete ich also physikalische Konzepte, um spirituelle Themen zu verstehen. Mit der gleichen Methode habe ich nun eine weitere Erkenntnis gewonnen, die ich hier gerne schildern möchte.  
 
Zuerst die physikalische Beobachtung: Eine bestimmte Dimension kann jeweils mit Elementen aus einer tieferen Dimension eingegrenzt werden. So kann etwa eine Ebene (zwei Dimensionen) mit einer Linie (eine Dimension) begrenzt werden, beispielsweise ist der Rand eines Quadrats eine Gerade. Das gleiche gilt für einen Raum (drei Dimensionen), welcher von Ebenen (zwei Dimensionen) begrenzt wird, beispielsweise sind Wände (zwei Dimensionen[1]) die Grenzen eines Zimmers (drei Dimensionen). Natürlich ist dadurch nicht gesagt, dass die Eingrenzung jeweils vollständig sein muss. So kann zum Beispiel eine Wand Türen als Durchgänge aufweisen. Wichtig für die Betrachtung hier ist aber, dass es potentiell möglich wäre, eine vollständige Grenze herzustellen mit Elementen aus einer tieferen Dimension. Geht man nun aber zwei Dimensionen tiefer, statt nur eine, kann hingegen keine vollständige Begrenzung mehr erstellt werden. Zum Beispiel ist es nicht möglich, einen Raum (drei Dimensionen) mit einer Linie (eine Dimension) einzugrenzen oder eine Ebene (zwei Dimensionen) mit einem Punkt (null Dimensionen).
 
Und was bedeutet das für die Liebe? Die Liebe (sechs Dimensionen[2]) kann mit Barrieren eingeschränkt werden, welche eine Dimension tiefer liegen, das heisst mit Elementen der Seele (fünf Dimensionen). Sie kann hingegen nicht mit noch tiefer liegenden Dimensionen eingeschränkt werden, das heisst mit der Aura (vier Dimensionen) oder mit dem Körper (drei Dimensionen).
 
Wie wenden wir nun diese Erkenntnis im praktischen Alltag an? Wir beobachten sowohl bei uns wie bei anderen immer wieder Barrieren der Liebe, Situationen also, in denen die Liebesenergie nicht fliessen kann. Stossen wir an eine solche Barriere, dann verursacht dies bei uns oft Verzweiflung. Wir spüren, hier müsste Liebe fliessen, sie tut es aber nicht. Mit diesen Barrieren der Liebe meine ich nicht – und das möchte ich betonen – die normalen Abgrenzungen, die notwendig sind, um unseren Alltag zu bewältigen. Wir müssen im Alltag durchaus Grenzen setzen, denn wir können uns unmöglich mit allem und jedem auseinandersetzen und niemals alles an uns heranlassen. Es geht nicht, wir brauchen also Grenzen. Nur nicht auf der Ebene der Liebe: Hier soll es fliessen, hier sind Grenzen nicht nötig. Wir behindern unseren Weg sogar, wenn wir uns auf der Ebene der Liebe abgrenzen, denn wir können so unter Umständen unseren Weg gar nicht mehr erkennen. Es ist also ein schwieriges Unterfangen: Auf der Ebene des Körpers, auf der Ebene der Aura und auf der Ebene der Seele müssen wir Grenzen setzen, nicht aber auf der Ebene der Liebe. Wie kann man nun unterscheiden?
 
Hier wird das Modell der Dimensionen hilfreich: Die Grenzen sind immer eine Dimension tiefer, als das, was wir abgrenzen möchten. Mit dem Körper (dreidimensional) ist es offensichtlich. Hier grenzen wir uns mit der Haut (zweidimensional) von anderen Körpern oder von anderen Gegenständen ab. Unsere Aura (vierdimensional, hierzu gehören zum Beispiel unsere Gefühle) können wir mit dreidimensionalen Körpern oder Gegenständen eingrenzen. Wenn ich beispielsweise die Türe schliesse, dann spüre ich die Gefühle einer anderen Person weniger stark. Weiter können wir die Seele (hier befindet sich beispielsweise unser Bewusstsein) mit der Aura begrenzen. Man kann zum Beispiel mit einem Gefühl von Wut verhindern, dass jemand Elemente unseres Bewusstseins erkennt. So „umranden“ etwa auch Wutbürger die rechtspopulistische Philosophie in vielen Ländern. Und schliesslich funktioniert es bei der Liebe genau gleich: Um die Liebe einzugrenzen, braucht es also Elemente des Bewusstseins, so können Grundsätze wie Beispielsweise „Kinder müssen streng erzogen werden“  den Fluss der Liebe eingrenzen.
 
Wenn wir nun Barrieren im Fluss der Liebe verhindern wollen, dann müssen wir auf seelische Grenzen achten – die tieferliegenden Grenzen wie etwa unsere Haut, physikalische Barrieren wie Wände oder unsere Gefühle spielen dabei keine Rolle. Das heisst, wenn wir Barrieren antreffen – bei uns oder bei anderen – dann müssen wir beurteilen, auf welcher Ebene sie stattfinden. Barrieren, welche mit der Seele aufgebaut werden sind problematisch weil sie den Fluss der Liebe durchbrechen können. Solche auf tieferen Ebenen haben diese Eigenschaft nicht und sind – ganz im Gegenteil – oft Lebenswichtig.
 
Was die ganze Sache nun noch komplizierter macht, ist dass es oft die genau gleichen Handlungen sind, welche Barrieren auf verschiedenen Ebenen aufbauen. Das heisst, rein aufgrund der Gestaltung der Barriere als solche ist es schwierig zu erkennen, ob nun noch Liebesenergie fliesst oder nicht. Die nachfolgende Tabelle zeigt wie das gleiche Verhalten unterschiedlich motiviert sein kann.
 
sichtbarer Aufbau der Liebesbarriere
Beispiele von Motivationen, die keine vollständige  Liebesbarriere ermöglichen (Körper, Aura)
Beispiele von Motivationen, die eine vollständige Liebesbarriere ermöglichen (Seele) aber nicht müssen
keine Antwort auf Anfragen
Ich habe Angst, nicht alles zu schaffen, bin überfordert und mache deshalb eine Grenze.
Ich beantworte grundsätzlich Anfragen nur einmal die Woche.
keine Verpflichtungen eingehen
Ich habe zu viel zu tun.
Verpflichtungen binden mich, ich halte mich frei für meine eigenen Entscheidungen.
rasche Änderung von Plänen
Die Situation ändert sich sehr schnell, ich komme kaum nach.
Ich habe das Recht über mein Leben selbst zu entscheiden.
Vorhaben nicht Kommunizieren
Ich habe Angst, dass andere mir den Plan vereiteln.
Wenn andere wissen, was ich vorhabe, dann werden sie mich behindern (grundsätzliche Lebenseinstellung).
Alle Zeit verplanen
Ich bin sehr beschäftigt weil ich meinen Lebensunterhalt verdienen muss.
Bin ich beschäftigt, so kommt mir niemand zu nah.
Hektik
Ich muss mich beeilen, sonst verpasse ich den Zug.
Alle Zeit ist wertvoll, man muss sie nutzen.
sich hinter Autoritäten verstecken
Du glaubst mir nur, wenn es von einem Experten kommt.
Der Papst hat immer recht.
sich hinter der Arbeit verstecken
Ich habe Angst, meine Arbeit nicht rechtzeitig fertig zu haben.
Arbeit kommt grundsätzlich an erster Stelle.
keine körperliche Nähe oder Sex zulassen
Ich bin wütend auf dich und deshalb schlafe ich nicht mit dir.
Man darf nur Sex haben zur Zeugung von Kindern.
sich im Zimmer verkriechen
Ich habe von allem genug, ich muss für mich sein.
Nur wer alleine ist, kann sich selber sein.
 
Motivationen aus der mittleren Spalte können die Liebe also nicht eingrenzen, solche aus der rechten hingegen schon. Motivationen aus der mittleren Spalte sind wichtig, damit wir unseren Weg gehen können, solche aus der rechten Spalte behindern unseren Weg, weil sie den Fluss der Liebe einschränken und wir deshalb unseren Weg oft nicht mehr erkennen. Es ist deshalb sehr wichtig, auf diese oft nuancierten Unterschiede zu achten.
 
Zum Schluss noch dies: Viele mögen sagen, physikalische Überlegungen dieser Art würden nicht zur Spiritualität passen. Aber der Schamane ist umfassend – jede Art und Weise zu denken und jede Philosophie ist erlaubt, sofern sie hilft den eigenen Weg zu fördern und damit den Raum der Liebe zu vergrössern. Es zählt die Motivation, nicht die Methode. Mathematik oder Physik kann genauso den Schamanen unterstützen wie etwa Trommeln, schamanisches Reisen und Visionssuchen.


 

 


Barrieren der Liebe sind auf der Ebene der Seele zu suchen.
 
Quelle: www.abc.net.au



[1] Natürlich haben Wände auch eine Dicke, sind also genau genommen auch drei dimensional. Für die Eigenschaft der Grenze, ist die Dicke aber nicht relevant.
[2] Vergleiche "Das schamanische Buch der Seele"